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Hundehalter-Knigge
20.09.2012, 17:15 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 20.09.2012 17:20 von Mod.)
Beitrag: #1
Hundehalter-Knigge
Ein aktuelles Erlebnis von gestern Abend lässt mich dieses Thema eröffnen (einmal mehr in der Hoffnung, dass sich damit mal eine lebendige Diskussion eröffnen lässt):

Ich bin auf einer verkehrsfreien Strasse durch die Felder unterwegs, als mir eine Frau und ein Mann, beide mit einem Hund an der Leine, entgegenkommen. Ich rufe in solchen und ähnlichen Situationen, so auch gestern, meinen freilaufenden Hund zu mir und ergreife den Stock, welchen er üblicherweise mit sich im Maul rumschleppt. Der Mann rief mir zu, ich solle meinen Hund an die Leine nehmen. Auf meine Standartfrage warum ich ihn anleinen solle, kam für nicht das erste mal die Antwort, dies sei nicht mehr als Anstand. Ich erklärte ihm darauf, dass ich ihn nicht anleinen, sondern ihn am Stecken, den er niemals losliesse, an ihnen vorbeiführen würde.
Ich vermute, dass er unbewusst seiner Begleiterin (, welche übrigens dasselbe von mir erwartete wie er,) imponieren wollte, denn ich kassierte von ihm eine Schimpfe, die sich gewaschen hatte: "Solche idiotischen Hundehalter sind es, die uns Hundehalter in Verruf bringen ..." und weiteres in der Art. Leider musste ich einsehen, dass er nicht bereit war, sich auf eine Diskussion einzulassen und so verabschiedete ich mich meinerseits mit einem "Chnebelgrind" bei ihm.

Klar: Das Wort "Chnebelgrind" hat auf mich in der Situation genauso zugetroffen, denn schliesslich nahm ich ja meinen Hund genauso stur nicht an die Leine.

Nachdem ich 10 Jahre keinen Hund mehr als Begleiter mit mir hatte, bin ich nun seit eineinhalb Jahren auch wieder als Hundebesitzer unterwegs. Schnell meinte ich feststellen zu können, dass sich in dieser Zeit bezüglich gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz gegenüber Hundebesitzern leider einiges zum Negativen entwickelt hat. Es mag jedoch gut sein, dass ich diesen Eindruck auch deshalb kriegte, weil nun nicht mehr ein Golden Retreaver, sondern halt ein Schäferhund neben mir her geht? - Wie auch immer: Tatsache ist, dass heute, viel mehr als früher, Hunde grösstenteils an der Leine geführt werden.
Dass dem so ist, hat natürlich verschiedene Ursachen. Zum einen sind da ein paar tragische Vorfälle, welche es mit Hunden über die Jahre leider gegeben hat. Wie die Medien jeweils darüber berichteten, förderte die durch die Ereignisse in der Bevölkerung aufkeimende Angst bestimmt noch weiter. Anstatt diesen plötzlich vermehrt vorhandenen Ängsten zu begegnen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie schlussendlich wieder zu überwinden, schürte man diese in der Öffentlichkeit noch mehr. Strengere Hundehaltergesetze und höhere Kosten für die Hundehalter waren eine Folge der überbordenden Ängste der Leute.

Und die Hundehalter selber? - Sie scheinen mir zu einem grossen Teil völlig verunsichert (überfordert?) zu sein, wie sie nun mit ihrem Hund am besten, resp. "korrekt", umgehen sollen. Nur so kann ich mir erklären, dass über die letzten Jahre derart viele Hundeschulen aus dem Boden schiessen konnten. Und dass in der Schweiz jeder Kanton sein eigenes Hundegesetz besitzt, trägt natürlich auch nicht unbedingt zur Sicherheit der Hundehalter bei.

Nebst dem Gesetz und den Hundeschulen, welche je nachdem dies oder das sagen, soll es auch einen Hunde-Knigge (Anstandsregeln für Hundehalter) geben. Gerne wird in solchen Hundedressur-Kursen von solch einem "Hunde-Knigge" gesprochen. So wird bei den KursbesucherInnen ein Bild davon geprägt, wie man sich richtig zu verhalten hätte. Das grosse Problem dabei jedoch: Hier erzählt man dies und dort klingt's wiederum etwas anders. Ja, wer mag denn schlussendlich Recht haben? -

So habe ich mal etwas nach einem Schweizerischen Hunde-Knigge gestöbert und unter anderem folgendes gefunden:



Einen solchen Knigge unterschreibe ich gerne mit. Wenn ich jedoch dann Dinge sehe, wie das hier z.B., stosse ich an die Grenzen des Verständnisses:



Zitat: "Niemand ausser Ihnen weiss, dass Ihr Hund eigentlich ganz friedlich ist oder wann er gefährlich wird. Bringen Sie niemanden in die Lage, sich bedroht zu fühlen."

Hallo? - Wir alle wissen, wie vollgepfropft viele Menschen mit irgendwelchen diffusen Ängsten sind. Was die hier schreiben, bedeutet doch nichts anderes, als dass ich meinen Hund jedesmal anleinen sollte, wenn uns Jemand entgegen kommt. Denn was weiss ich, ob's nicht zufällig Jemand mit einer (Schäfer-)Hundephobie ist? - Persönlich vertrete ich den Standpunkt, dass es ausreicht, wenn mein Hund mir gehorcht und Niemanden aktiv belästigen geht. Selbstverständlich respektiere ich die von Gesetzes wegen vorgeschriebene Leinenpflicht, aber weitergehende Anstandsregeln von wegen Anleinen betrachte ich als weit über's Ziel hinausgeschossen. Und nun seid Ihr dran: Wie seht Ihr das mit dem "Hunde-Knigge"?
lg, mod

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Hundehalter-Knigge - Mod - 20.09.2012 17:15

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